Ob du einen oder hundert Lkw betreust, macht keinen Unterschied: Emissionsvorschriften einzuhalten braucht System und regelmäßige Kontrollen. Mit immer komplexeren Abgasnachbehandlungssystemen sparst du dir mit klaren Checks Stillstände, Bußgelder und unnötig hohen Verbrauch.
Hier findest du 7 essenzielle Kontrollen, die in deinen Wartungsplan gehören.

Inhalt
Zustand des Dieselpartikelfilters (DPF)
Der DPF fängt Rußpartikel ab, bevor sie in die Atmosphäre gelangen. Mit der Zeit füllen sich die Kanäle mit Ruß und Asche, der Abgasgegendruck steigt und Leistung sowie Effizienz gehen spürbar zurück. Wenn du diesen Zustand ignorierst, häufen sich Regenerationen und Warnleuchten.
Was du prüfen solltest:
- Werte des Differenzdrucksensors über dem DPF.
- Regenerationsprotokolle (automatisch/erzwungen) und Häufigkeit der Ereignisse.
- Unversehrtheit des Filters: keine Risse, keine Anzeichen von Schmelzen.
Wenn die Ursache unklar bleibt, lohnt sich ein professioneller DPF‑Test und eine Kontrolle der gesamten Abgasanlage.
Qualität und Füllstand von AdBlue/DEF
AdBlue versorgt das SCR‑System und reduziert NOx, indem es sie in Stickstoff und Wasser umwandelt. Verunreinigtes Medium oder ein leerer Tank führen zu Drehmomentbegrenzungen und im schlimmsten Fall zu Leistungssperren, die den Truck lahmlegen.
Was du prüfen solltest:
- Richtige Konzentration: Harnstofflösung mit rund 32,5% gemäß ISO‑Standard.
- Kristallbildungen an Injektor und Leitungen.
- Funktion von Sensoren und Injektor per elektronischer Diagnose.
Nutze nur zertifizierte Gebinde und saubere Lagerbehälter und vermeide spontane „Notfüllungen“ aus zweifelhaften Quellen.
Effektiver EGR‑Durchfluss
EGR senkt die Verbrennungstemperatur, indem ein Teil der Abgase zurück in den Ansaugtrakt geführt wird, um NOx zu reduzieren. Wenn das System blockiert ist, leckt oder der Kühler zugesetzt ist, steigen die Emissionen und du riskierst, Prüfungen nicht zu bestehen.
Was du prüfen solltest:
- EGR‑Ventil: darf nicht in Offen‑ oder Geschlossenstellung hängen bleiben.
- EGR‑Kühler: keine Leckagen, keine Verstopfungen.
- Tatsächlichen EGR‑Durchfluss mit Diagnosetool verifizieren.
Achte auf Ablagerungen und Öl im Ansaugtrakt – oft steckt hier die eigentliche Ursache.
Sensoren: Genauigkeit und Kalibrierung
EGR, DOC, DPF und SCR arbeiten als ein System, das auf korrekte Sensordaten angewiesen ist. Wenn nur ein Sensor „danebenliegt“, geraten Regenerationen, AdBlue‑Dosis und Steuerstrategien aus dem Gleichgewicht.
Was du prüfen solltest:
- Abgastemperatursensoren (EGT) an den relevanten Messpunkten.
- Differenzdruck über Filtergehäusen wie DPF.
- NOx‑ und O2‑Sensoren, idealerweise im warmen Zustand und unter Last verifiziert.
Kalibrierungen nur mit freigegebener Software und Herstellervorgaben durchführen – und altersschwache Sensoren lieber ersetzen, statt Phantomfehler zu jagen.
Wirkungsgrad des Oxidationskatalysators (DOC)
Der DOC oxidiert CO und HC und „bereitet“ die Abgase für DPF und SCR vor. Wenn er nicht richtig arbeitet, leidet alles dahinter: Regenerationen werden unwirksam, der DPF setzt sich schneller zu, Emissionswerte verschlechtern sich.
Was du prüfen solltest:
- Wabensubstrat: keine Risse, keine sichtbaren Verunreinigungen.
- Light‑off‑Temperatur innerhalb des vorgesehenen Bereichs.
- Katalysatoreffizienz in der Diagnose während definierter Fahr‑ oder Prüfzyklen.
Sei besonders aufmerksam bei Öl‑ oder Dieselkontamination, denn diese schädigen den Katalysator oft irreversibel.
ECM‑Software: Konformität und Abstimmung
„Mehr Leistung“ per Tuning klingt verlockend, kann aber das Emissionsmanagement durcheinanderbringen, die Verbräuche erhöhen und die Rechtskonformität kosten. Eingriffe in EGR, DPF, SCR oder DEF‑Strategien können zudem zu empfindlichen Strafen führen.
Was du prüfen solltest:
- ECM‑Kalibrierungen im Einklang mit EU‑Normen und Herstellerspezifikationen.
- Änderungsverlauf der ECM‑Software und abgelegte Fehlercodes.
- Programmierungen ausschließlich mit zertifizierten Tools und freigegebenen Dateien.
Lass die Finger von „Wundertools“ und Deaktivierungs‑Lösungen: Das Risiko von Stillstand, Bußgeldern und Garantieverlust ist hoch.
Regelmäßiger, vollständiger Diagnosescann
Die Systemdiagnose ist dein Radar für das Emissionssystem: Sie zeigt Fehler, oft lange bevor sie zum Ausfall führen. Plane diese Scans fest als Teil deiner Routinewartung ein.
Was du prüfen solltest:
- Regelmäßige Scans (zum Beispiel alle zwei Wochen) der wichtigsten ECM‑Module.
- Aktive und gespeicherte Fehler inklusive Freeze‑Frame‑Daten.
- Muster: Wiederkehrende Codes oder Trends früh erkennen und handeln, bevor die Warnleuchte angeht.
Speichere die Diagnoseberichte ab – sie helfen dir bei der Prävention und als Nachweis deiner Sorgfalt bei Kontrollen.
Warum diese Systeme wirklich zählen
Ein funktionierendes Zusammenspiel von DPF, SCR, EGR und Sensorik bedeutet nicht nur „Norm erfüllt“, sondern vor allem mehr Uptime, stabilen Verbrauch und langlebigere Komponenten. Weniger Pannen auf der Straße, weniger teure Notfallreparaturen, mehr Planbarkeit im Alltag deiner Flotte.
Wir empfehlen dir ein klares, wiederholbares Protokoll mit Checklisten für Fahrer und Werkstatt, damit Probleme früh auffallen und du den Wert deiner Flotte langfristig sicherst.
Was du jetzt konkret tun solltest:
- Plane feste Intervalle für Checks an DPF, SCR/AdBlue, EGR und Sensoren ein.
- Standardisiere die elektronische Diagnose und archiviere alle Reports.
- Verzichte auf nicht zertifizierte Tuning‑Eingriffe und halte Software‑Updates konform.
- Schule deine Fahrer, damit sie ungewöhnliche Regenerationen, Drehmomentverluste und steigenden Verbrauch sofort melden..
Wenn du möchtest, lässt sich dieser Inhalt in eine praxisfertige Checkliste für Werkstatt und Fahrer mit empfohlenen Intervallen und schnellen Prüfpunkten pro System umwandeln.



